
Plexiglas bohren ist einfacher als gedacht — vorausgesetzt, Sie kennen die richtigen Werkzeuge, Parameter und Techniken. Allerdings riskiert man Risse, Ausbrüche und milchige Bohrlochränder, wenn man einen gewöhnlichen Metallbohrer ansetzt und mit voller Drehzahl loslegt. PLEXIGLAS® — eine eingetragene Marke der Röhm GmbH — ist ein hochwertiger Kunststoff aus Polymethylmethacrylat (PMMA), der sich hervorragend bearbeiten lässt. Dabei erfordert das Material jedoch eine angepasste Bohrergeometrie und abgestimmte Maschinenparameter. Darum erfahren Sie in dieser Anleitung Schritt für Schritt, wie Sie Acrylglas sauber, splitterfrei und ohne Risse bohren — egal ob für einen Plexiglas Zuschnitt, eine Befestigungsbohrung oder eine Durchführung.
Warum reißt Plexiglas beim Bohren?
Bevor Sie den Bohrer ansetzen, lohnt sich zunächst ein kurzer Blick auf die häufigsten Ursachen für Risse und Ausbrüche. Denn sobald Sie diese kennen, können Sie sie gezielt vermeiden.
Zunächst ist die Bohrergeometrie der häufigste Grund für Schäden. Standard-Metallbohrer besitzen einen Spitzenwinkel von 120° — das ist für Acrylglas viel zu steil. Infolgedessen graben sich die Schneiden förmlich in das Material, anstatt es sauber zu schaben. Dadurch entstehen hohe Spannungsspitzen, die unweigerlich zu Rissen führen.
Darüber hinaus spielt die Vorschubgeschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Wird der Bohrer zu schnell ins Material gepresst, kann das Acrylglas die entstehenden Kräfte nicht aufnehmen. Infolge dessen entstehen Ausbrüche auf der Unterseite — sogenannte Ausmuschungen — und im schlimmsten Fall durchgehende Risse.
Außerdem ist die Wärmeentwicklung ein kritischer Faktor. PMMA ist ein Thermoplast, der bei etwa 100 °C erweicht. Ohne ausreichende Kühlung schmilzt das Material an der Bohrstelle lokal auf, verbindet sich mit dem Bohrer und reißt beim Abkühlen. Dementsprechend sind milchig-weiße Bohrlochränder ein sichtbares Zeichen für Überhitzung.
Schließlich führt auch eine fehlende Unterlage zu Problemen. Sofern die Acrylglasplatte frei aufliegt oder unzureichend fixiert ist, bricht das Material beim Durchtritt des Bohrers aus. Deshalb ist eine feste Holzunterlage unverzichtbar.
Der richtige Bohrer für Plexiglas — welcher Bohrer eignet sich?
Plexiglas bohren — welcher Bohrer ist der richtige? Diese Frage stellen sich viele Heimwerker. Die Wahl des Bohrers entscheidet maßgeblich darüber, ob die Bohrung sauber gelingt oder in einem Riss endet. Grundsätzlich gilt: Standard-Metallbohrer verursachen Risse — sie müssen vor dem Einsatz in Acrylglas umgeschliffen werden. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Bohrertypen im Überblick.

Umgeschliffener Spiralbohrer (HSS)
Der klassische Spiralbohrer aus dem Werkzeugkasten lässt sich für Acrylglas verwenden — allerdings nur nach dem Umschleifen. Dabei wird die Schneide so angepasst, dass sie das Material schabend abträgt statt schneidend. Die wichtigsten Parameter gemäß den Verarbeitungsrichtlinien der Röhm GmbH lauten:
- Spitzenwinkel (σ): 60° bis 90° (Standard 120° muss umgeschliffen werden!)
- Freiwinkel (α): 3° bis 8°
- Spanwinkel (γ): 0° bis 4°
- Drallwinkel (β): 12° bis 16° bevorzugt; Standard 30° ist ebenfalls möglich
Dabei ist besonders wichtig, dass die Schneide scharf und gratfrei ist. Ab einem Bohrerdurchmesser von ca. 8 mm sollte zusätzlich die Querschneide ausgeschliffen werden, um den Vorschubwiderstand zu reduzieren.
Stufenbohrer
Für saubere, vibrations- und ratterfreie Bohrungen ist der Stufenbohrer die beste Wahl. Denn er arbeitet sich stufenweise von einem kleinen Durchmesser nach oben vor und erzeugt dabei kaum Spannungen im Material. Folglich eignet er sich besonders gut für Acrylglas. Dennoch ist bei diesem Bohrertyp eine intensive Wasserkühlung erforderlich.
Kegelbohrer
Der Kegelbohrer (auch Schälbohrer genannt) besitzt in der Regel drei Schneiden und verhindert zuverlässig ein Ausbrechen des Materials. Daher ist er vor allem für größere Durchmesser in dünnen Platten geeignet. Ebenso wie beim Stufenbohrer empfiehlt sich hier eine intensive Kühlung.
Fräsbohrer
Wenn Sie Langlöcher oder ovale Aussparungen benötigen, ist der Fräsbohrer das richtige Werkzeug. Dabei wird er bei Drehzahlen über 10.000 U/min eingesetzt und ermöglicht — anders als ein normaler Bohrer — auch seitliche Vorschubbewegungen. Folglich lassen sich Langlöcher und Konturen in Acrylglas sauber herausarbeiten.
Forstnerbohrer und Lochsäge
Für große Bohrungsdurchmesser kommen Forstnerbohrer oder Lochsägen zum Einsatz. Mit einer Lochsäge lassen sich Durchmesser bis ca. 60 mm realisieren. Jedoch erfordern beide Werkzeuge intensive Wasserkühlung und einen moderaten Vorschub, um Überhitzung und Schmelzen zu vermeiden.
Die richtigen Parameter beim Plexiglas bohren
Neben dem passenden Bohrer sind die Maschineneinstellungen entscheidend für ein sauberes Ergebnis. Deshalb basieren die folgenden Richtwerte auf den technischen Empfehlungen der Röhm GmbH und gelten für die Bearbeitung von gegossenem und extrudiertem Acrylglas.

Schnittgeschwindigkeit und Drehzahl
Die empfohlene Schnittgeschwindigkeit (vc) liegt zwischen 10 und 60 m/min. Dementsprechend ergibt sich die Drehzahl über die Formel:
n = (vc × 1.000) ÷ (π × d)
Beispiel: Für einen Bohrer mit 10 mm Durchmesser bei 30 m/min Schnittgeschwindigkeit ergibt sich:
n = (30 × 1.000) ÷ (3,14 × 10) ≈ 955 U/min
Demzufolge ergeben sich bei 30 m/min folgende Richtwerte:
- Ø 5 mm: ca. 1.910 U/min
- Ø 10 mm: ca. 955 U/min
- Ø 25 mm: ca. 382–510 U/min
Vorschub
Der Vorschub sollte zwischen 0,1 und 0,3 mm pro Umdrehung liegen. Dabei gilt: lieber zu wenig als zu viel. Ein zu hoher Vorschub führt zu Ausbrüchen, während ein zu niedriger Vorschub lediglich die Bearbeitungszeit verlängert. Achten Sie daher auf einen gleichmäßigen, ruhigen Vorschub ohne ruckartige Bewegungen.
Kühlung
Ab einer Materialdicke von 5 mm ist eine Kühlung empfehlenswert. Hierfür geeignet sind Kühlmittelemulsion, Wasser oder ein acrylverträgliches Bohröl. Darüber hinaus ist bei Lochsägen, Kegelbohrern und Stufenbohrern sogar eine intensive Wasserkühlung erforderlich, da diese Werkzeuge auf einer großen Fläche Reibungswärme erzeugen.
Hinweis: Verwenden Sie außerdem niemals lösungsmittelhaltige Kühlmittel — denn diese können das Acrylglas angreifen und Spannungsrisse verursachen.
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Schritt-für-Schritt: PLEXIGLAS® richtig bohren
Zusammenfassend gelingt mit der richtigen Vorbereitung und Technik jede Bohrung in Acrylglas sauber und rissfrei. Folgen Sie daher diesen sieben Schritten für ein optimales Ergebnis.

Schritt 1: Schutzfolie belassen und Bohrstelle markieren
Zunächst ist es wichtig, die Schutzfolie auf der Acrylglasplatte nicht zu entfernen. Sie schützt die Oberfläche vor Kratzern durch Späne und Einspannwerkzeuge. Stattdessen markieren Sie die gewünschte Bohrposition mit einem nicht-permanenten Stift direkt auf der Folie.
Schritt 2: Platte auf Holzunterlage fixieren
Legen Sie die Platte anschließend auf eine ebene, saubere Holzunterlage — etwa eine MDF- oder Sperrholzplatte. Danach fixieren Sie das Werkstück mit Schraubzwingen, sodass es sich während des Bohrens nicht verschieben kann. Gleichzeitig dient die Holzunterlage als Gegenlage und verhindert so Ausbrüche auf der Rückseite.

Schritt 3: Bohrer prüfen
Anschließend überprüfen Sie vor dem Einsetzen, ob Ihr Bohrer für Acrylglas geeignet ist. Der Spitzenwinkel muss zwischen 60° und 90° liegen. Sofern Sie nur einen Standard-Metallbohrer mit 120° Spitzenwinkel zur Verfügung haben, muss dieser vorher umgeschliffen werden. Stellen Sie sicher, dass die Schneiden scharf und unbeschädigt sind.
Schritt 4: Mit niedrigen Drehzahlen beginnen
Darüber hinaus wählen Sie die Drehzahl entsprechend dem Bohrerdurchmesser — orientieren Sie sich dabei an der oben genannten Formel. Demnach beginnen Sie im Zweifelsfall mit einer niedrigeren Drehzahl und erhöhen diese bei Bedarf vorsichtig. Schließlich erzeugen zu hohe Drehzahlen Reibungswärme und führen zum Schmelzen des Materials.
Schritt 5: Gleichmäßigen, moderaten Vorschub halten
Anschließend setzen Sie den Bohrer senkrecht an und führen ihn mit gleichmäßigem, moderatem Druck ins Material. Der Vorschub sollte 0,1 bis 0,3 mm pro Umdrehung betragen. Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen. Sobald die Späne als gleichmäßige, bandförmige Streifen abfließen, stimmen Drehzahl und Vorschub.
Schritt 6: Ab 5 mm Dicke Kühlung verwenden
Bei Platten ab 5 mm Dicke sollten Sie während des Bohrens kühlen — entweder mit Wasser, einer Kühlmittelemulsion oder einem acrylverträglichen Bohröl. Dabei sprühen oder träufeln Sie das Kühlmittel direkt auf die Bohrstelle. Insbesondere bei Lochsägen und Stufenbohrern ist eine intensive Kühlung unverzichtbar.
Schritt 7: Bohrung anfasen und entgraten
Abschließend empfiehlt es sich, die Kanten der Bohrung leicht anzufasen. Verwenden Sie dafür einen Senker oder ein Entgratwerkzeug. Denn das Anfasen beseitigt scharfe Kanten, verhindert den sogenannten Kerbeffekt und verbessert die Optik. Das optimale Ergebnis ist eine seidig-matte, nahezu transparente Bohrwand.


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FAQ — Häufige Fragen zum Plexiglas bohren
Welchen Bohrer braucht man für Plexiglas?
Für Acrylglas benötigen Sie einen Bohrer mit einem Spitzenwinkel von 60° bis 90° und einer schabenden Schneide. Besonders geeignet sind Stufenbohrer, Kegelbohrer oder umgeschliffene HSS-Spiralbohrer. Standard-Metallbohrer mit 120° Spitzenwinkel sind ohne Umschliff nicht geeignet, da sie Risse verursachen.
Kann man Plexiglas mit einem normalen Bohrer bohren?
Ja, allerdings nur nach dem Umschleifen. Ein Standard-Metallbohrer hat einen Spitzenwinkel von 120°, der für Acrylglas zu steil ist. Der Spitzenwinkel muss auf 60° bis 90° reduziert und die Schneide auf eine schabende Geometrie angepasst werden. Ohne diesen Umbau drohen Risse und Ausbrüche.
Bei welcher Drehzahl bohrt man Plexiglas?
Die Drehzahl hängt vom Bohrerdurchmesser ab. Bei einer empfohlenen Schnittgeschwindigkeit von 10 bis 60 m/min ergeben sich z. B. bei 30 m/min: ca. 1.910 U/min für Ø 5 mm, ca. 955 U/min für Ø 10 mm und ca. 382 U/min für Ø 25 mm. Die Formel lautet: n = (vc × 1.000) ÷ (π × d).
Wie bohrt man Plexiglas ohne Risse?
Verwenden Sie einen Bohrer mit 60°–90° Spitzenwinkel, halten Sie den Vorschub gleichmäßig bei 0,1–0,3 mm/U und legen Sie eine Holzunterlage unter die Platte. Lassen Sie die Schutzfolie drauf, kühlen Sie ab 5 mm Materialdicke und fasen Sie die Bohrung anschließend leicht an. Diese Kombination verhindert Risse zuverlässig.
Muss man Plexiglas beim Bohren kühlen?
Bei Platten ab 5 mm Dicke ist eine Kühlung empfehlenswert, um Überhitzung und milchige Bohrlochränder zu vermeiden. Geeignete Kühlmittel sind Wasser, Kühlmittelemulsion oder acrylverträgliches Bohröl. Bei Lochsägen, Stufenbohrern und Kegelbohrern ist eine intensive Wasserkühlung generell erforderlich — unabhängig von der Materialdicke.
Wie groß kann man in Plexiglas bohren?
Mit Spiralbohrern sind Durchmesser bis ca. 20 mm problemlos möglich. Für größere Bohrungen eignen sich Stufenbohrer, Kegelbohrer oder Lochsägen. Mit einer Lochsäge lassen sich Durchmesser bis ca. 60 mm realisieren. Für noch größere Aussparungen empfiehlt sich eine Oberfräse mit Schablone.
Kann man Plexiglas mit einer Lochsäge bohren?
Ja, Lochsägen eignen sich für größere Durchmesser bis ca. 60 mm in Acrylglas. Entscheidend ist dabei eine niedrige Drehzahl, ein moderater Vorschub und eine intensive Wasserkühlung. Ohne Kühlung erhitzt sich das Material schnell und schmilzt, was zu unsauberen Kanten und Verfärbungen führt.
⚠️ Sicherheitshinweis & Haftungsausschluss
Die in diesem Beitrag beschriebenen Bearbeitungsmethoden richten sich an Personen mit Erfahrung im Umgang mit den genannten Werkzeugen und Maschinen. Tragen Sie stets geeignete Schutzausrüstung — insbesondere Schutzbrille, Handschuhe und gegebenenfalls Gehörschutz. Beachten Sie zusätzlich die Sicherheitshinweise und Bedienungsanleitungen Ihrer Werkzeuge sowie die Verarbeitungsrichtlinien des Materialherstellers.
Die Angaben in diesem Artikel wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Korrektheit. VITAdisplays® übernimmt keine Haftung für Personen-, Sach- oder Folgeschäden, die durch die Anwendung der beschriebenen Verfahren entstehen. Bei Unsicherheiten empfehlen wir, einen Fachbetrieb mit der Bearbeitung zu beauftragen.
Kinder und Jugendliche dürfen die beschriebenen Arbeiten nur unter Aufsicht erfahrener Erwachsener durchführen.
PLEXIGLAS® ist eine eingetragene Marke der Röhm GmbH, Darmstadt. VITAdisplays® ist autorisierter PLEXIGLAS® Fachhändler.