Acrylglas bearbeiten gehört zu den dankbarsten Aufgaben im DIY-Bereich: Das Material lässt sich schneiden, bohren, biegen, kleben, polieren und reinigen, alles in Heimwerkstatt-Qualität, wenn man die richtigen Techniken kennt. Doch gerade weil PLEXIGLAS® anders reagiert als herkömmliches Glas oder Holz, lohnt es sich, die Methoden und Werkzeuge vorab zu kennen. Wer einmal einen Riss beim Bohren oder weiße Schlieren beim Reinigen erlebt hat, weiß: Mit der richtigen Vorbereitung lassen sich solche Fehler einfach vermeiden. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über alle wesentlichen Bearbeitungstechniken, mit direkten Links zu unseren ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen.
Beim Bearbeiten von Acrylglas entstehen scharfe Späne und feine Stäube. Tragen Sie stets eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe. Beim Kleben und Polieren mit Lösemitteln ist ausreichende Belüftung Pflicht. Verwenden Sie niemals polare Lösungsmittel wie Aceton, Ethanol oder Nitroverdünner auf Plexiglas-Oberflächen: Diese können Spannungsrisse (Environmental Stress Cracking, ESC) verursachen, die irreversibel sind. Isopropanol (IPA) ist dagegen unbedenklich.

Warum Acrylglas bearbeiten so leicht gelingt
Acrylglas bearbeiten ist aus einem einfachen Grund so beliebt: Das Material vereint die Optik von Glas mit den Bearbeitungseigenschaften von Kunststoff. Plexiglas ist rund halb so schwer wie Glas, splittert bei Bruch nicht in gefährliche Scherben und lässt sich mit nahezu denselben Werkzeugen bearbeiten wie Holz. Gleichzeitig verzeiht es wenig Fehler beim Schneiden oder Reinigen, wer die Grundregeln kennt, erzielt jedoch mit überschaubarem Aufwand professionelle Ergebnisse.

Dabei unterscheiden sich die beiden Plexiglas-Typen in ihrem Bearbeitungsverhalten deutlich: GS (gegossen) ist etwas spröder, aber hervorragend polierbar und für Thermoformen ideal. XT (extrudiert) ist günstiger, weicher und empfindlicher beim Biegen unter Wärme, aber leichter zu schneiden. Welche Variante für Ihr Projekt geeignet ist, erfahren Sie in unserem Ratgeber zu den Acrylglas-Eigenschaften.


Acrylglas bearbeiten: Schneiden für gerade Kanten
Für gerade Schnitte an Acrylglas-Platten bis 6 mm Stärke ist die Ritz-Brech-Methode die einfachste und schnellste Lösung: Mit einem Acrylglas-Cutter oder einem scharfen Metalllineal wird die Platte mehrfach tief eingeritzt und dann sauber gebrochen. Kein Sägeblatt, kein Stromwerkzeug und trotzdem eine saubere, gerade Schnittkante. Für dickere Platten oder kurvige Konturen kommen Kreissäge oder Stichsäge zum Einsatz, wobei spezielle Sägeblätter und eine niedrige Vorschubgeschwindigkeit entscheidend sind.
Die Kreissäge erzielt die saubersten Schnitte bei einem Zahnprofil von mindestens 80 Zähnen und einer Drehzahl von ca. 4.000 U/min. Der Vorschub sollte langsam und gleichmäßig sein, um Ausbrüche und Schmelzen zu vermeiden. Frisch zugeschnittene Kanten können anschließend gefeilt und poliert werden, um Hochglanz zu erzielen.
→ Zur ausführlichen Anleitung: Plexiglas schneiden: 5 Methoden für saubere Kanten
Acrylglas bearbeiten mit Säge und Fräse, für komplexe Konturen
Wer Acrylglas bearbeiten möchte und dabei geschwungene Formen, Bohrungen oder Schlitze benötigt, kommt um Säge oder Fräse nicht herum. Stichsäge, Bandsäge und CNC-Fräse öffnen hier ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten. Entscheidend ist dabei die Wahl des richtigen Blattes: Für Stich- und Kreissägen empfehlen sich feine Metallsägeblätter mit möglichst vielen Zähnen, Holzsägeblätter reißen das Material aus. Bei der CNC-Fräse werden Einzahnfräser bevorzugt, die den Kunststoff sauber abspanen ohne Wärme zu akkumulieren.
Ein häufiger Fehler beim Sägen: zu hoher Vorschub. Das Material schmilzt an der Schnittstelle, klebt am Blatt und reißt. Kühlung mit Druckluft oder Wasser schafft Abhilfe. GS-Material ist beim Sägen tendenziell anspruchsvoller als XT, bietet dafür nach der Bearbeitung eine bessere Polierbarkeit der Schnittkanten.
→ Zur ausführlichen Anleitung: Plexiglas sägen und fräsen: Werkzeuge, Drehzahlen & Tipps
Acrylglas bearbeiten: Bohren ohne Risse und Ausbrüche
Das Bohren von Acrylglas ist eine der am häufigsten unterschätzten Techniken: Ein falscher Bohrer oder zu viel Druck reicht, um das Material zu reißen oder am Rand auszubrechen. Für saubere Bohrlöcher in Plexiglas eignen sich am besten Stufenbohrer oder speziell angeschliffene Kunststoffbohrer mit verringerten Schneidwinkeln. Der Bohrer sollte scharf sein, die Drehzahl moderat und unter die Platte kommt eine feste Holzunterlage, die Ausbrüche verhindert.
Vor dem Bohren empfiehlt es sich, die Bohrstelle mit Kreppband abzukleben: Das schützt die Oberfläche vor Kratzern durch Bohrspäne. Bohren Sie in einem Zug durch, ohne zu stauchen oder zu drücken und kühlen Sie bei längeren Bohrungen mit Druckluft oder Wasser. Besonders wichtig: Keine Schlagbohrfunktion aktivieren.
→ Zur ausführlichen Anleitung: Plexiglas bohren: Anleitung ohne Risse und Ausbrüche
Acrylglas biegen, Thermoformen für individuelle Formen
Das Biegen von Acrylglas ist eine der faszinierendsten Bearbeitungsmethoden: Mit einem Heißluftgebläse oder einer Biegevorrichtung lässt sich Plexiglas bei Temperaturen zwischen 150 und 180 °C präzise in Form bringen und behält nach dem Abkühlen dauerhaft die neue Geometrie. Ob Winkel, Kurve oder Rohr: Thermoformen eröffnet gestalterische Möglichkeiten, die mit reinen Schnitttechniken nicht erreichbar sind.
GS-Material reagiert gleichmäßiger auf Wärme und eignet sich besser für komplexe Biegungen, während XT beim Erhitzen zur Blasenbildung neigen kann. Die Bearbeitungsfolie sollte vor dem Biegen entfernt werden und das Material muss gleichmäßig erwärmt werden, sonst entstehen optische Spannungen im fertigen Werkstück. Ein Biegelineal sorgt für saubere, gerade Kanten.
→ Zur ausführlichen Anleitung: Plexiglas biegen: Methoden, Temperaturen & Schritt-für-Schritt-Anleitung
Acrylglas kleben, unsichtbare und belastbare Verbindungen
Beim Kleben von Acrylglas ist das Ziel meist eine nahezu unsichtbare, optisch hochwertige Verbindung. Das wird mit Lösemittelklebern wie Acrifix erreicht: Diese lösen die PMMA-Oberfläche kurz an und verbinden die Fügeteile auf molekularer Ebene, für eine glasklare, stabile Naht. Die beliebteste Methode in der Praxis ist das Capillarkleben: Die Platten werden zuerst genau positioniert, dann wird der flüssige Kleber mit einer feinen Nadel an der Stoßkante appliziert und zieht von allein in die Fuge ein.
Wichtig dabei: Die Klebekante muss absolut sauber und staubfrei sein. Reste von Fett, Reinigungsmittel oder Wasser ruinieren die Verbindung. UV-härtende Klebstoffe sind eine Alternative für größere Flächen und bieten noch klarere Ergebnisse, benötigen aber entsprechende Beleuchtungsausrüstung. Zweikomponentenkleber auf Methacrylat-Basis ermöglichen strukturelle Verklebungen mit hoher Scherfestigkeit.
→ Zur ausführlichen Anleitung: Plexiglas kleben: Anleitung mit den richtigen Klebstoffen
Acrylglas polieren und Kratzer entfernen
Matte Schnittkanten auf Hochglanz bringen oder oberflächliche Kratzer entfernen gehört beim Bearbeiten von Acrylglas zu den häufigen Aufgaben. Beides gelingt mit gestuftem Nassschliff und anschließendem Polieren, bei leichten Kratzern oft auch ganz ohne Schleifen. Weil sich die beiden Aufgaben in Vorgehen und Werkzeug unterscheiden, haben wir dafür jeweils eine eigene, ausführliche Anleitung erstellt.
→ Zu den ausführlichen Anleitungen: Plexiglas polieren und schleifen sowie Plexiglas Kratzer entfernen
Acrylglas reinigen, die richtige Pflege für kristallklare Oberflächen
Das richtige Reinigen gehört untrennbar dazu, wenn man Acrylglas bearbeiten und pflegen möchte: PMMA kratzt deutlich leichter als Glas und reagiert empfindlich auf falsche Reinigungsmittel. Die Grundregel ist einfach: Lauwarmes Wasser mit einem Tropfen mildem Spülmittel und ein weiches Mikrofasertuch reichen für die allermeisten Reinigungsaufgaben aus. Glasreiniger, Alkohol (außer IPA) und scheuernde Tücher sind tabu.
Antistatische Reinigungssprays ergänzen die Pflege sinnvoll, denn Plexiglas lädt sich elektrostatisch auf und zieht Staub an. Ein antistatisches Mittel reduziert diesen Effekt spürbar. Wichtig: Niemals trockenwischen, auch ein weiches Tuch auf trockener Oberfläche erzeugt Mikrokratzer. Immer mit Wasser arbeiten.
→ Zur ausführlichen Anleitung: Plexiglas reinigen und pflegen: Die richtige Methode
Material verstehen: GS vs. XT, Grundlage für erfolgreiches Acrylglas bearbeiten
Wer Acrylglas bearbeiten möchte, sollte das Material grundlegend kennen. Plexiglas, der Markenname der Röhm GmbH für hochreines PMMA, gibt es in zwei Hauptvarianten: Gegossen (GS) und extrudiert (XT). GS-Platten entstehen durch langsames Gießen von flüssigem Monomer und haben eine homogenere Molekülstruktur, dadurch sind sie besser polierbar, hitzebeständiger und für das Biegen geeigneter. XT-Platten werden preisgünstiger hergestellt, haben engere Dickentoleranzen und eignen sich besonders gut für Laserschneiden und -gravieren.
Zu den bemerkenswertesten Eigenschaften zählen: 92 % Lichtdurchlässigkeit (mehr als Glas), Dichte von nur 1,19 g/cm³ (halb so schwer wie Glas), UV-Stabilität ohne zusätzliche Beschichtung sowie eine Dauergebrauchstemperatur von –40 bis +80 °C. Im Vergleich zu Echtglas ist Plexiglas deutlich bruchsicherer, bricht aber unter extremen Belastungen in stumpfe Stücke, nicht in spitze Scherben.
→ Zu den Detailartikeln: Acrylglas Eigenschaften: Material, Werte & Vergleich sowie Plexiglas vs. Glas: Der große Materialvergleich
Projektideen: Was man alles aus Acrylglas bearbeiten kann

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, wenn Sie wissen, wie man Acrylglas bearbeiten und einsetzen kann. Zu den beliebtesten DIY-Projekten zählen:
- Windschutz und Sichtschutz für Terrasse und Balkon: Klare oder satinierte Plexiglas-Platten in Edelstahlklemmen oder U-Profilen montiert ergeben einen transparenten Wetterschutz, der deutlich pflegeleichter als Holz oder Metall ist.
- Aquarien und Terrarien: GS-Platten in 8–15 mm, mit Acrifix verklebt, bieten eine optisch überlegene und leichtere Alternative zu Glas und lassen sich individuell in die gewünschten Maße schneiden.
- Möbelelemente: Regalböden, Tischplatten, Trennwände und Displayständer aus transparentem oder farbigem Acrylglas sind schnell gefertigt und vermitteln ein hochwertiges, modernes Erscheinungsbild.
- Lichtobjekte und Schilder: Graviertes Plexiglas leuchtet an den Kanten, wenn von der Seite beleuchtet, ideal für Werbeschilder, Leuchttafeln und dekorative Objekte.
Für alle diese Projekte finden Sie im Plexiglas-Shop von prospekthalter.com maßgenaue Zuschnitte in verschiedenen Stärken, Farben und Oberflächen, mit diamantpolierten Kanten, direkt einsatzbereit.
Ein besonders beliebtes Projekt ist der Windschutz aus Plexiglas: Transparente oder satinierte Platten in 6–10 mm Stärke bieten stabilen Wetterschutz ohne optische Barriere und lassen sich mit standardisierten Edelstahl-Klemmprofilen einfach montieren. Mehr Materialinformationen und Verarbeitungshinweise finden Sie auch direkt beim Hersteller auf plexiglas.de (Röhm GmbH).
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FAQ, Häufige Fragen zum Acrylglas bearbeiten

Welche Werkzeuge brauche ich, um Acrylglas zu bearbeiten?
Für einfache gerade Schnitte an Platten bis 6 mm genügt ein Acrylglas-Cutter und eine Metallschiene. Für dickere Platten oder Kurvenformen empfehlen sich Kreissäge oder Stichsäge mit feinen Metallsägeblättern. Zum Bohren eignen sich Stufenbohrer oder spezielle Kunststoffbohrer. Kleben erledigen Sie mit Acrifix und einer Capillarnadel, Polieren mit Nassschleifpapier (800–2500) und Polierpaste. Schutzbrille und Handschuhe sind bei allen Bearbeitungsschritten Pflicht.
Was ist der Unterschied zwischen GS und XT bei Plexiglas?
GS (gegossen) und XT (extrudiert) unterscheiden sich in Herstellung und Bearbeitungseigenschaften. GS ist gleichmäßiger in der Molekülstruktur, besser polierbar und hitzebeständiger, ideal für Biegen und Hochglanzanwendungen. XT ist günstiger, hat engere Dickentoleranzen und eignet sich besonders für Laserschneiden und -gravieren. Für die meisten DIY-Projekte ist XT ausreichend; für Aquarien, optische Anwendungen oder Thermoformen empfiehlt sich GS.
Kann ich Acrylglas mit normalen Holzwerkzeugen bearbeiten?
Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen: Viele Holzwerkzeuge lassen sich für Acrylglas verwenden, jedoch müssen Sägeblätter und Bohrer deutlich schärfer sein und feinere Zahnteilungen aufweisen als für Holz üblich. Grobe Holzsägeblätter reißen das Material aus, stumpfe Bohrer verursachen Risse. Spezielle Kunststoffbohrer und feine Metallsägeblätter liefern deutlich bessere Ergebnisse und schonen das Material.
Wie vermeide ich Kratzer beim Bearbeiten von Acrylglas?
Die Schutzfolie so lang wie möglich auf der Platte belassen, idealerweise bis kurz vor der endgültigen Montage. Beim Aufspannen und Positionieren keine scharfen Kanten oder Metallteile direkt auf die Oberfläche legen. Filz- oder Gummiauflagen unter die Platte legen. Beim Reinigen immer mit Wasser und einem weichen Mikrofasertuch arbeiten, niemals trockenwischen. Bereits entstandene Kratzer lassen sich mit Polierpaste oder Nassschliff meist vollständig entfernen.
Welcher Kleber eignet sich am besten für Acrylglas?
Für optisch hochwertige, glasklare Verbindungen sind Lösemittelkleber auf Methacrylatbasis, wie Acrifix 1S 0116 oder vergleichbare Produkte, die erste Wahl. Sie lösen die Oberfläche kurz an und erzeugen eine molekulare Verbindung. Das Capillarklebeverfahren ist dabei besonders einfach: Teile positionieren, Kleber an der Fuge applizieren, einziehen lassen. Für strukturelle Verbindungen unter Last sind 2K-Methacrylat-Klebstoffe (z. B. Acrifix 2R 0190) besser geeignet. Sekundenkleber und Epoxidharz haften zwar, trüben aber die Klebestelle meist ein.
Kann man Acrylglas zuhause biegen?
Ja, mit einem einfachen Heißluftgebläse und einem geraden Biegelineal lassen sich Platten bis ca. 5 mm Stärke zuhause problemlos biegen. Das Material wird auf 150–180 °C erhitzt, bis es weich und biegsam wird, dann über das Lineal gelegt und in Form gebracht. Wichtig: gleichmäßige Erwärmung über die gesamte Biegelinie, keine Überhitzung (das Material bläst Blasen) und die Schutzfolie vorher entfernen. GS-Platten biegen sich gleichmäßiger als XT-Platten.
⚠️ Sicherheitshinweis & Haftungsausschluss
Die in diesem Beitrag beschriebenen Bearbeitungsmethoden richten sich an Personen mit Erfahrung im Umgang mit den genannten Werkzeugen und Maschinen. Tragen Sie stets geeignete Schutzausrüstung, insbesondere Schutzbrille, Handschuhe und gegebenenfalls Gehörschutz. Beachten Sie zusätzlich die Sicherheitshinweise und Bedienungsanleitungen Ihrer Werkzeuge sowie die Verarbeitungsrichtlinien des Materialherstellers.
Die Angaben in diesem Artikel wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Korrektheit. VITAdisplays® übernimmt keine Haftung für Personen-, Sach- oder Folgeschäden, die durch die Anwendung der beschriebenen Verfahren entstehen. Bei Unsicherheiten empfehlen wir, einen Fachbetrieb mit der Bearbeitung zu beauftragen.
Kinder und Jugendliche dürfen die beschriebenen Arbeiten nur unter Aufsicht erfahrener Erwachsener durchführen.
PLEXIGLAS® ist eine eingetragene Marke der Röhm GmbH, Darmstadt. VITAdisplays® ist autorisierter PLEXIGLAS® Fachhändler.